Aus Österreichs Mühlengeschichte

(Friedrich Hofko)

Die Geschichte der österreichischen Mühlen geht auf kleine, primitive Handmühlen zurück, die die Menschen der Jungsteinzeit entwickelt haben, um das Getreide nicht mehr stampfen zu müssen. Die ersten mit Wasserkraft angetriebenen Bauernmühlen gab es in manchen österreichischen Ortsteilen bereits vor 1000 Jahren. Von denkfeinen, alten Wasserradmühlen, die teilweise versteckt in romantischen Gräben standen, sind vielfach nur noch vermooste Steinfundamente und vermorschte Holzteile übriggeblieben.

Ein Loblied auf den Bauern, der das Getreide in seiner eigenen Mühle mahlte, und auf die Bäuerin, die aus diesem Mehl Brot backte, hat mit großem Respekt der volksverbundene, österreichische Dichter Peter Rosegger im Jahre 1870 gesungen: Jener Stand, der das Brot erzeugt, kennt weder Mühlner noch Bäcker.

Es dauerte freilich seine Zeit, bis die Mühlen auch hierzulande heimisch wurden. Älteste Chroniken berichten bereits in der Karolingerzeit von Mühlen. Eine kräftige Entwicklung des Mühlenwesens ist aber erst im 11. Jahrhundert zu verfolgen, als es gelang, die Mährer und Ungarn zurückzudrängen.

Viele der ältesten Mühlen in Österreich kommen im Bereich von Adels- und Klosteranlagen vor. Nicht selten sind sie heute die einzigen Reste, die auf adelige Ansitze, Burgen oder abgekommene Ortsteile hinweisen.

Diese Hofmühlen waren zumeist größer und technisch ausgereifter als die eher dürftig ausgestatteten Dorfmühlen. Sie waren mehrgängig und hatten eine entsprechende Anzahl von Wasserrädern. Anno 1661 dürfte eine derartige Hofmühle mit 11 Gängen einen jährlichen Produktionsumfang von 20.000 Metzen gehabt haben. Nur ein Zehntel dessen konnte eine Mühle mittlerer Größe verarbeiten.

Nachdem die Dampfmaschine erfunden war, brauchte man auf natürliche Antriebskräfte keine Rücksicht mehr zu nehmen. Diese revolutionäre Technik ermöglichte das Entstehen der Großmühlen und Errichten von Fabriken.

Gleichzeitig mit dem Wechsel in der Antriebstechnik folgte die Änderung des Mahlverfahrens. Vom einfachen Zerkleinerungsvorgang zwischen Mahlsteinen der Flachmüllerei mit primitiven Putzmethoden ging man zur Hochmüllerei über. Die österreichische Erfindung der Paurschen Grießputzmaschine war eine Revolution.

Eine eher unbedeutende Rolle in der Mühlenlandschaft spielten die Windmühlen in Österreich, wobei ihre Herkunft und Entstehungszeit umstritten ist. Und obwohl in der Antike bereits bekannt, wurden sie damals nur selten in der Getreidevermahlung eingesetzt, da es dafür noch genug Sklaven gab.

Den vielen Pflichten des Müllers standen weitgehende Rechte des Mühlherrn gegenüber. Der Müller blieb abhängig vom guten Willen seines Grundherrn, und seine Freiheiten gingen nur soweit, wie sie ihm eingeräumt wurden. Bereits im 15. Jahrhundert wurde eine Mühlenorganisation faßbar, Mitte des 16. Jahrhunderts eine Mühlner-Zunft, die vermutlich zunächst auch eine gewisse Oberaufsicht über die Müller hatte.

Die Zünfte und Zechen waren auch Zentren des gesellschaftlichen Lebens und die gewiß nicht unbedeutenden sozialen und caritativen Einrichtungen ihrer Zeit. Sie standen angeblich nur in seltenen Ausnahmefällen vor leeren Kassen.

Die Satzungen der Zünfte, die Zunftordnungen, handelten von der Lernzeit, dem Wandern der Gesellen, der Meisterprüfung und dem Meisterstück: sie verlangten die Teilnahme der Mitglieder am Gottesdienst, setzten die Zahlungen in die Zunftlade fest, bestimmten die Strafen für verschiedene Vergehen und forderten von den Mitgliedern ein ehrsames Benehmen, ehrliche Arbeit und Verträglichkeit.

Um eine gewisse Auslese in der Müllerzunft zu garantieren, erließ Matthias Corvinus 1488 für die Müller eine eigene Verordnung, wodurch die Zulassung des Müllers an eheliche Geburt gebunden war. Damit gedachte man: wer seine Herkunft nicht nachweisen kann, wird von der Ausübung des Müllerhandwerks ausgeschlossen.

Der Vorwurf der Unehrlichkeit des Müllers, es ist dies historisch begründet, ist bis heute erhalten geblieben.

Wer weiß denn heute noch um die Kunst der Müller, um ihre handwerklichen Fähigkeiten? Ihr Status war sprichwörtlich: gefürchtet und mächtig, geheimnisumwittert, verschlagen und gar unehrlich. Ein Stand wurde zum Mythos, davon befreit, bleiben Menschen, alltäglich und wichtig. Allein, rar sind sie geworden.

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letztes Update im November 2002
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